Gleichstellung in Unternehmen

Wie es um Gleichstellung in Unternehmen bestellt ist und welche Rahmenbedingungen herrschen

  • Unzureichende Qualifikation oder mangelnde Erfahrung werden gerne als Gründe für das Fehlen von Frauen in Führungspositionen genannt. Doch sind es hauptsächlich strukturelle Probleme, die zum Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in den Führungspositionen führen. So sind die klassischen Karrierewege auf typische Geschlechterrollen ausgelegt und lassen eine Babypause kaum zu. Hinzu kommt, dass je höher die Position in der Hierarchie angesiedelt ist, die Vergabe immer intransparenter wird. Formale Rekrutierungsverfahren werden dort von Willkür und informellen Methoden abgelöst. Diese Situation ist kein rein österreichisches Phänomen, sondern kann international beobachtet werden. Mit dem Begriff Leaky Pipeline wurde auch ein Begriff für den abnehmenden Frauenanteil pro Karrierestufe etabliert. Die Ausbildung der Frauen kann nicht als Erklärung für die Unausgewogenheit herangezogen werden. Denn betrachtet man die Studienabschlüsse, liegt das weibliche Geschlecht voran. Dennoch werden nur 23% der Sitze in europäischen Aufsichts- und Verwaltungsräten von Frauen besetzt.

Frauen-Charta der EU

  • Um dem entgegen zu wirken, hat die EU im März 2010 die Frauen-Charta verabschiedet. Diese verspricht mehr Engagement bezüglich der Gleichstellung von Frauen und Männern auch in den Führungsetagen europäischer Firmen. Diese Initiative hat bereits Früchte getragen. So hat sich der weibliche Anteil in den Entscheidungsgremien von 2010 bis 2016 um 11% erhöht und liegt damit bei 23%. Betrachtet man die Aufwärtsentwicklung jedoch im Detail, so stellt sich heraus, dass dies auf die Entwicklung in einigen wenigen Staaten zurückzuführen ist. Und zwar auf jene Länder, die verpflichtende Regelungen für die Besetzung von Führungspositionen eingeführt haben. So konnte beispielsweise Island seinen Anteil bis 2016 um 28% steigern. Ebenso konnte in Frankreich und Italien der weibliche Anteil in Aufsichtsgremien massiv gesteigert werden. In Österreich wiederum findet man ein Durchschnittswachstum von 11% vor. Betrachtet man die Regelungen auf Länderebene, findet man bereits einige Staaten, die entsprechende Gesetze geschaffen haben. So haben acht Länder (Italien, Deutschland, Norwegen, Spanien, Island, Belgien, Niederlande und Frankreich) bereits verpflichtende Geschlechterquoten für den privatwirtschaftlichen Bereich eingeführt. Die Regelungen unterscheiden sich hinsichtlich des Anwendungsbereiches, des Verbindlichkeitsgrades und der Sanktionsmöglichkeiten – eine gesamteuropäische Regelung gibt es noch nicht. In Ländern, in denen keine gesetzlichen Regelungen zum Einsatz kommen, werden oftmals freiwillige Maßnahmen eingesetzt. Diese werden üblicherweise in Corporate Governance Kodizes festgeschrieben. Mittels dieser Selbstregulierungsmaßnahmen versuchen die Unternehmen, eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Durch Überprüfung in regelmäßigen Abständen wird der Fortschritt beobachtet und es werden Empfehlungen zur Verbesserung der Zielerreichung formuliert. Es liegt auf der Hand, dass die Politik und Wirtschaft diese freiwillige Selbstverpflichtung bevorzugen. Das hat allerdings den Nachteil, dass die Entwicklung zaghafter verläuft. Neben Staaten mit kompletter Regulierung und Ländern, die lediglich freiwillige Maßnahmen setzen, findet man auch Mischformen. So etwa in Österreich, wo bis Ende 2017 keinerlei gesetzliche Regelung in privatwirtschaftlich geführte Unternehmen Geltung hatte. Für staatsnahe Unternehmen, börsennotierten Unternehmen sowie Unternehmen im öffentlichen Interesse wurden jedoch entsprechende Regeln installiert. So hat sich die Bundesregierung im Jahr 2011 selbst verpflichtet, den Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der Bundesunternehmen einzuhalten. Als konkretes Ziel wurde ein Frauenanteil von 25% definiert. Das gilt für jene Unternehmen, an denen der Staat mit mindestens 50% beteiligt ist. Insgesamt sind es 55 Unternehmen, bei 44 davon hält der Staat einen 100%-Anteil und beschickt den gesamten Aufsichtsrat. Aus dem letzten Fortschrittsbericht zeigt sich sehr deutlich, dass die Quote bereits übererfüllt wurde.

Verpflichtende Frauenquoten

  • Für Unternehmen der Privatwirtschaft galt bislang die Freiwilligkeit. Mit 1.1.2018 wurden verpflichtende Frauenquoten für privatwirtschaftlich geführte Unternehmen eingeführt. Börsennotierte Unternehmen und Firmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind verpflichtet den Aufsichtsrat mit mindestens 30% Frauen zu besetzen, was bei Neubestellungen eingehalten werden muss. Ein weiterer Schritt ist das neue Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG), welches für bestimmte Unternehmen eine Verpflichtung zu einer erweiterten Berichtspflicht von nichtfinanziellen Informationen in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und ArbeitnehmerInnenbelange vorsieht. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es vielerlei Initiativen in Europa gibt, um Frauen den Zugang zur Chefetage zu erleichtern. Die Fakten sprechen für die Einführung von gesetzlichen Regelungen in allen Ländern der Europäischen Union. Mit dem Nachteil, dass am Ende des Tages die Quote und nicht die Eignung entscheidet. Das tatsächliche Ziel, nämlich auch das Mittlere Management weiblicher zu machen, hat man jedoch mit keinem der erwähnten Zugänge erreicht. Dazu bedarf es des Aufbrechens etablierter Kulturen und der Veränderung klassischer Karrierepfade.

Hilfreiche Links