Keine Angst vor Innovation

  • Innovationsmanagement-Beraterin Christiana Neuwirth im Interview über die großen Chancen für KMU, aktuelle Trends und darüber, welche wichtige Rolle die eigenen Mitarbeiter im Innovationsprozess spielen.

Was kann denn alles eine Innovation sein – und ist das nicht eher etwas für große Unternehmen?

  • Christiana Neuwirth: Es gibt Produktinnovationen und Dienstleistungsinnovationen, aber auch Prozesse lassen sich neu erfinden und verbessern. Und wenn es gelingt, interne Prozesse anders und besser zu gestalten, hat man damit schnell einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Kleinere Unternehmen haben darüber hinaus generell den Vorteil, dass sie agiler und wendiger sind als große Konzerne. Und das sollten Sie auch als klaren Vorteil erkennen – große Konzerne haben das erkannt und bauen eben deswegen gerade ihre Strukturen um, um schneller reagieren zu können.

Wie merke ich, dass es an der Zeit für Innovation ist?

  • Christiana Neuwirth: Man tut nichts, wenn man keinen dringenden Bedarf sieht. Das ist auch ganz nachvollziehbar. Meistens sind es dann akute Marktbedrohungen, die einen aufwecken. Aber auch wenn ich gerade meine Ziele und Vision erarbeite oder überdenke, kann das ein guter Trigger sein. Der Fokus auf Innovationen ist dann möglicherweise ein Weg zum Ziel.

Wohin gehen aktuell die Trends?

  • Christiana Neuwirth: Der Trend geht in Richtung Vernetzung und Co-Creation. Man ist nicht mehr Einzelkämpfer sondern vernetzt sich mit seiner Umwelt – zum Beispiel mit Universitäten, Fachhochschulen, Lieferanten oder Kunden. Damit können viel mehr Potenziale erkannt und gehoben werden. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung kann man hier ganz neue Wege beschreiten. Fragen Sie doch zum Beispiel Ihre Kunden, was sie morgen brauchen. Oder binden Sie Ihre Lieferanten in Ihre Lieferkette ein, verwenden Sie gemeinsame Systeme und erkennen Sie gemeinsam mit ihnen Potenziale für neue Wege. Oder aber werden Sie effizienter, indem Sie Ihre Buchhaltung automatisieren.

Wann brauche ich einen eigenen Prozess für meine Innovation?

  • Christiana Neuwirth: Gerade wenn ich mit anderen Institutionen zusammenarbeite oder mir Ressourcen von außen hole, ist ein Innovationsprozess sinnvoll. Wenn viele Personen an der Entwicklung von Innovationen und in der Kommunikation mitarbeiten, kann es schnell unübersichtlich werden und man verliert Zeit. Und dieser Faktor war ja eigentlich ein wichtiger Wettbewerbsvorteil gegenüber größeren Firmen. Abläufe und Verantwortlichkeiten müssen klar kommuniziert werden. Und man sollte immer genau wissen, was die nächsten Schritte sind. Denn wenn jemand von außen eine Idee hereinbringt, will derjenige natürlich wissen, wie es weitergeht.

Wie gehe ich den Prozess an?

  • Christiana Neuwirth: Am wichtigsten ist vor dem Start die Frage: Was ist meine Vision? Basierend darauf kann ich dann herausfinden, was die konkreten Ziele sind, und daraus lassen sich die Innovationsziele ableiten und definieren. Fragen Sie sich auch, wo die Schwerpunkte liegen sollen: Ist es eine Kooperation, geht es um neue Produkte oder Technologien? Fragen Sie sich dann, wie genau die Umsetzung funktionieren soll, was die nächsten Schritte sind. Planen Sie hier kleinere Vorhaben und schlanke Prozesse, die zu Ihnen passen und lernen Sie daraus. Und seien Sie nach den ersten Maßnahmen ehrlich und hinterfragen Sie ruhig: Hat es Sinn gemacht, funktioniert es so?

Wie lange kann ein Innovationsprozess dauern?

  • Christiana Neuwirth: Man hört es vielleicht nicht gerne – aber es ist ein lebenslanges Lernen. Es ist hilfreich, laufend kleinere Maßnahmen umzusetzen, deren Erfolge dann auch schnell sichtbar sind.

Tipps: Die Investitionsplanung im Griff

    • Haben Sie keine Angst vor Innovationen. Sehen Sie die Chancen, nicht die Gefahren.
    • Denken Sie zuerst im Kleinen und probieren Sie Dinge aus.
    • Binden Sie Ihre MitarbeiterInnen mit ein. Sie wissen am allerbesten über Prozesse, Kunden und den Markt Bescheid. Machen Sie aber dabei immer klar, was die Kriterien sind und wann die Ideen umgesetzt werden. Oder falls nicht, warum nicht.
    • Öffnen Sie sich – Vernetzung und Zusammenarbeit bergen großes Potenzial.

Zur Person

  • Mag. Christiana Neuwirth ist Prozess- und Change-Beraterin mit dem Schwerpunkt Innovationsmanagement. Mit langjähriger Erfahrung im Portfolio-Management, in Digitalisierungsprojekten sowie im Customer Relationship Management setzt sie ihre hohe Expertise in der Beratung von Unternehmen erfolgreich ein. Durch ihre Lehraufträge an der FH Technikum Wien ist sie am technologischen Puls der Zeit.
    www.innovation-mngt.at