Wichtige Schritte bei der Betriebsübergabe

  • Die erfolgreiche Übergabe ist eine entscheidende Voraussetzung für die langfristige Sicherung des Betriebs sowie seiner Arbeitsplätze. Dabei sind gewisse Dinge zu beachten. Jedes Jahr stehen 6.000 bis 7.000 Betriebe zur Übergabe an. Bis in die 90er-Jahre hat noch das traditionelle Bild gegolten, dass die Unternehmensnachfolge zu einer überwiegenden Mehrheit innerhalb der Familie stattfindet. Die Zahlen der KMU-Forschung sprechen derzeit eine andere Sprache:

    • Etwa die Hälfte aller Übergaben erfolgt an familienexterne Personen oder Unternehmen.
    • Nur rund 10 Prozent der Betriebe schaffen es in die dritte Generation.
    Eine Betriebsübergabe ist für einen Unternehmer in der Regel ein Einmalereignis. Dafür gibt es eigentlich keine Generalprobe. Dabei ist die erfolgreiche Übergabe eine wichtige Voraussetzung für die langfristige Sicherung des Betriebs, seines Know-hows sowie seiner Arbeitsplätze. Die Regelung der Firmennachfolge ist ein komplexer und vielschichtiger Prozess, für den es kein Patentrezept gibt – es sind aber gewisse Basiszutaten zu beachten. So ist etwa unbestritten, dass man grundsätzlich nie früh genug mit der Planung beginnen kann. Der Prozess der Betriebsübergabe zieht sich über Jahre hinweg und betrifft alle Bereiche eines Unternehmens.

Plan B bereithalten

  • Übergeber und Übernehmer finden selten im ersten Anlauf zueinander. So waren laut einer Befragung des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung etwa 70 Prozent der noch suchenden Eigentümer schon mindestens einmal in konkreteren Verhandlungen, die jedoch gescheitert sind. Die größten Probleme bilden die Finanzierungsschwierigkeiten der Nachfolger sowie die Einigung auf einen Kaufpreis. Daher sollte man bei der Suche nach einem Übernehmer stets Alternativen in Betracht ziehen.

Der Wert des Unternehmens

  • Laut Experten der Wirtschaftsuniversität Wien sind 30 bis 40 Prozent der Betriebe eigentlich nicht übergabefähig, weil zum Beispiel die Zukunftsinvestitionen fehlen. Damit es später zu keinen Überraschungen kommt, gilt es, vorab Informationen einzuholen. So sollten beispielsweise bestehende Verträge überprüft werden. Andererseits fordern etwa 40 Prozent der Unternehmen laut DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2018 (Deutscher Industrie- und Handelskammertag), einen überhöhten Preis für ihren Betrieb – die sogenannte „Herzblutrendite“. Häufig berechnen sie auch die über Jahre oder Jahrzehnte geleisteten Mühen und den persönlichen Einsatz mit ein.

Die „weichen“ Faktoren

  • Ob eine Übergabe erfolgreich über die Bühne gehen kann, hängt aber nicht bloß von den „harten“ Zahlen, Daten und Fakten ab, sondern auch von „weichen“ Faktoren, wie der Beziehung zwischen Übergeber und Übernehmer sowie auf Mitarbeiterebene. Egal ob innerhalb der Familie, an Mitarbeiter oder Externe: Jede Nachfolge ist emotional überlagert. 36 Prozent der Senior-Unternehmer haben Schwierigkeiten, von ihrem Lebenswerk emotional loszulassen (Quelle DIHK-Report). Ein eigenes Unternehmen aufzubauen und erfolgreich zu führen ist ja nicht lediglich ein Beruf, sondern auch Berufung. Und nun heißt es, dies hinter sich zu lassen. Bei einer Übergabe spielt nicht nur das Loslassen des Übergebers, sondern auch der unterschiedliche Zugang zu Kommunikation und Führungsstil eine Rolle.

Die „Vogelperspektive“ zulassen

  • Die „Vogelperspektive“ außenstehender Experten kann verhindern, dass Emotionen den Blick auf die tatsächlichen Problemfelder trüben. Sie kann Konflikte sichtbar machen, Externe können eventuell eine Mediation durchführen oder mithelfen, das Unternehmen auf den Übernehmer und seine Stärken zuzuschneiden. Speziell die erb-, abgaben- und unternehmensrechtlichen Themen sind komplex. Hier zahlt es sich aus, externe Expertise einzuholen, denn dabei gemachte Fehler können einiges an Geld kosten.

Grundlegende Tipps für die Betriebsübergabe

    • Rechtzeitig mit der Planung der Übergabe beginnen. Als Faustregel werden etwa fünf Jahre heran genommen.
    • Die Übergangsphase einplanen. Einen Nachfolger aufbauen, die Form der Übergabe und den Wert des Unternehmens festlegen. Bei einer externen Übergabe eine Leistungsüberprüfung der neuen Unternehmensführung durchführen.
    • Informationen über Förderprogramme einholen, die den Interessenten bei der Finanzierung unterstützen können.
    • Stets die Mitarbeiter in den Prozess der Übergabe miteinbeziehen, den Wechsel und die nächsten Schritte intern rechtzeitig kommunizieren.
    • Vor allem bei komplexen (Steuer-)rechtlichen Themen externe Expertise einholen.